Hund im Bett – ja oder nein?


Kein anderes Thema wird in der Welt der Hundehaltung so kontrovers diskutiert wie dieses. Die einen meinen, es sei der zwingend erforderlichen Dominanz-Stellung des Hundehalters abträglich, die anderen sagen, der Hund im Bett sei ganz normales Rudel-Verhalten. Als Hundefreund mit Herz, der aber auch nichts falsch machen möchte, kann man da ganz schnell verunsichert sein.

Ist der Hund im Bett wirklich ein Tabu?


Alte Riegen der Hunde-Erzieher und Trainer schlugen die Hände über den Köpfen zusammen, wenn sie hören mussten, dass Herrchen und Frauchen den geliebten Vierbeiner mit im Bett schliefen ließen. Von Dominanzgebaren, Verweichlichung und Grenzverstößen war dann die Rede. Zudem sagte man dem Thema eine gewisse hygienische Komponente nach. Solche Haltungen und Schulen der Hundeerziehung existieren bis heute und das durchaus auch in sonst modern daherkommenden Hundeschulen.
Seit den späten 1990er haben neue Forschungsergebnisse rund um das Verhalten der Hunde und deren wilden Verwandten, den Wölfen etwas ganz anders gezeigt. Dominanz und Führungsanspruch haben gar nicht so viel mit starren Regeln oder gar Unterdrückung eines Mitgliedes zu tun. Ein Hunderudel zu dem gegebenenfalls dann eben auch der Mensch gehört, ist vielmehr ein dynamisches System, in welchem es um Kommunikation und fließende Grenzen geht.

Was sagen die Experten dazu


Selbst Deutschlands bekanntester Hunde-Trainer Martin Rütter zieht bei Hund und Mensch im gemeinsamen Bett nicht sofort die rote Karte. Wenn die Umstände und die Beziehung zwischen Mensch und Tier stimmig sind, tut die gemeinsame Nachtruhe dem sicher keinen Abbruch!
Klar dürfte sein, dass ein unerzogener, übergriffiger Hund, der das Bett einfach rotzfrech für sich beansprucht, nichts darin zu suchen hat. Dennoch muss auch das nicht das Ende einer innigen Mensch-Hund-Freundschaft darstellen. Verhalten sich Hunde so, dann stimmt etwas im System nicht. Die neuesten Verhaltensforschungen zeigten eben, dass innerhalb von Rudeln unsichtbare Linien und Grenzen. Wer eine Hundegruppe oder ein Wolfsrudel einige Zeit beobachtet, wird diese erkennen können. Dem Halter mitten im Gefecht mit dem aufsässigen Hund können solche feinen Details leicht entgehen.
Fängt der Hund an, sich auffällig zu verhalten oder gar mit Herrchen und Frauchen um das Bett zu streiten, stellt das im Grunde nichts anderes als die Bitte nach Struktur und Ordnung dar. Weiß der Hund, wo sein Platz im Rudel ist und werden gegenseitige Grenzen eingehalten, klären sich Streitigkeiten rund um das Hoheitsrecht um Couch und Bett meistens von ganz alleine.

Wann der Hund auf keinen Fall ins Bett sollte


Ein unverbesserlicher Dreckfink unter den Hunden, stark sabbernde Tiere oder sonstige „ungemütliche“ Tiere müssen sicherlich nicht ins Bett gelassen werden. Zudem soll es Hunde geben, die sich im Laufe einer Nacht dermaßen ausbreiten, dass Herrchen und Frauchen sich auf der Bettkante oder auf dem Fußboden wieder finden. Selbst wenn ein solcher Hund mehrfach um Zugang zum Bett bittet, sollte der Halter dann auch konsequent sein. Mitleid schadet einer Beziehung immer. Ist der Hund sonst lieb, kann ein schöner Kompromiss gefunden werden. Das eigene Hundebett oder Schlafsofa ganz in der Nähe der menschlichen Ruhestätte wird für viele Tiere ebenso wertvoll und akzeptabel sein.

Warum Hunde gerne im Bett schlafen


Hunde sind Rudeltiere und kuscheln sich im Verband einfach gerne zusammen. Die Art und Weise, wie Menschen heute wieder mit Tieren zusammenleben hat sich in den letzten vierzig Jahren von Grund auf verändert. Haustiere sind Familienmitglieder und genau so sehen sie sich selbst auch. Sie möchten dabei sein, genießen die Wärme und das enge soziale Miteinander. In den frühen Zeiten der Domestikation, als die Menschen noch als Nomaden lebten, war diese Nähe noch ganz normal. Kuschelig weiches und warmes Hundefell war eine willkommene nächtliche Wärmequelle. Wenn in unseren tierischen Begleitern noch Verhaltensreste aus uralten Zeiten übrig geblieben sind, dann gilt das mit Bestimmtheit auch für uns Menschen. Selbst wenn viele Nicht-Hunde-Menschen noch immer die Nase rümpfen, so ist das gemeinsame Schlafen von Hund und Mensch genau beleuchtet also gar nicht so ungewöhnlich.

Warum der Hund im Bett sogar ausgesprochen guttun kann


Die Forscher einer US-amerikanischen Schlafklinik fanden heraus, dass Menschen wesentlich besser einschlafen, wenn ihr Haustier neben ihnen liegt. Durchgeführt wurden die Studien mit Hunden als auch mit Katzen. Doch nicht nur das, auch das Einschlafen war einem Großteil der Probanden einfacher, sie schließen auch länger, tiefer und ruhiger. Der warme Tierkörper und der sehr gleichmäßige Atemrhythmus beruhigen den Menschen auf ganz besondere Weise.
Auch auf Kinder kann der Vierbeiner im Bett eine wertvolle Hilfestellung und nächtlicher Trost sein. Gerade für Kinder, die nicht gerne alleine schlafen oder in der Dunkelheit Angst haben stellt der Liebling an der Seite eine unbezahlbare Quelle für Schutz und Sicherheit dar.

Fazit


Ob der Hund mit ins Bett darf oder nicht ist ganz persönliche Ermessenssache und von der Qualität des Miteinanders abhängig. Erlaubt ist, was Freude bereitet und niemandem schadet. Und mal ganz ehrlich – wer freut sich nicht, wenn er morgens gleich in die treuen Kulleraugen des treuen Vierbeiners an seiner Seite blicken darf!

Darf dein Hund mit ins Bett?



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